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Im Gespräch mit Mike Büskens: „Mir ist es wichtig, einen Bezug zum Projekt zu haben!“

Sie engagieren sich schon seit geraumer Zeit für die Arche Noah. Wie kam dieser Kontakt zustande?
Mike Büskens: Das ist ein Stück weit wohnortbedingt, denn ich wohne nur rund 150 Meter Luftlinie von der Arche Noah entfernt. Vor mehreren Jahren habe ich einige Eintrittskarten für ein Fußballspiel versteigert und den Erlös der Arche Noah gespendet. Ich finde, dass jeder von uns, der auf der Sonnenseite des Lebens steht, die Verantwortung hat, im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas an die Gesellschaft zurückzugeben.

 

Wie ist bei Ihnen die Idee gereift, sich für Menschen mit Krankheit oder Behinderung zu engagieren?
Mike Büskens: Als 21jähriger Fußballer hatte ich ein prägendes Erlebnis, als wir mit Fortuna Düsseldorf eine Spendenaktion für die Kinder-AIDS- und Kinderkrebs-Station der Uniklinik Düsseldorf gemacht haben. Das hat mich ein Stück weit geprägt und auch demütiger gemacht, als ich es ohnehin schon war. Seitdem engagiere ich mich gelegentlich für Projekte, bei denen ich Bedarf sehe.

 

Wie leicht oder wie schwer fällt Ihnen der persönliche Umgang mit den Bewohnern in der Arche Noah?
Mike Büskens: Früher war ich ein sehr harter Spieler, der kein ausgeprägtes Schmerzempfinden hatte. Aber trotzdem habe ich einen sehr sensiblen Kern. Ich habe höchsten Respekt vor all den Betreuerinnen, die sich Tag für Tag mit viel Wärme und Hingabe um die Kinder in der Arche Noah kümmern. Wenn ich auf Anlässen wie einer Weihnachtsfeier eine solche Einrichtung besuche und sehe, mit wie viel Freude die Kinder daran teilnehmen, ist das für mich sehr berührend. Ich muss zugeben: Ich bin in solchen Situationen sehr nah am Wasser gebaut.

 

Als prominenter Fußballer sehen Sie sich sicherlich mit einer Vielzahl von caritativen Anfragen konfrontiert?
Mike Büskens: Es ist nicht so, dass ich mit Anfragen überhäuft werde. Aber ich hatte in Fürth einen Spieler, der eine eigene Stiftung betrieben hat. Dazu gibt es viele ehemalige Mitspieler, die eine Stiftung haben und bei denen ich mich einbringe. In vielen Fällen ist es eine Bauchentscheidung. Es fällt mir immer noch ein bisschen schwer, an die ganz großen Organisationen heranzugehen, weil ich nicht weiß, wo das Geld am Ende in der Bürokratie versickert. Mir ist sehr wichtig, dass ich einen Bezug zu dem Projekt habe, sei es geografisch oder emotional. Und dass ich weiß, dass von dem Geld nicht ein hoher Prozentsatz in die Verwaltung geht, sondern dass es auch dort ankommt, wo es ankommen soll.

 

Im Reporterjargon werden Fußballereignisse zuweilen zu „Schicksalsspielen“ hochstilisiert. Sie haben als Fußballer gute und schlechte Zeiten erlebt. Finden Sie es angemessen, in diesem Zusammenhang von Schicksal zu sprechen?
Mike Büskens: Es geht natürlich um ein sportliches Schicksal. Man darf nicht übersehen, was da alles dranhängt. Wenn ich im Sommer mit der SpVgg. Greuther Fürth abgestiegen wäre, hätte mich das emotional sehr getroffen, aber ich hätte mir am nächsten Tag noch immer eine warme Mahlzeit leisten können. Wenn aber dadurch ein Drittel der Mitarbeiter im Verein ihren Job verlieren oder auf zwanzig Prozent ihrer Einkünfte verzichten müssen, dann betrifft es zwar nicht mein Schnitzel, aber doch meine Seele. Von daher geht es hier durchaus um berufliche Schicksale. Aber diese Schicksale sind natürlich in keiner Weise zu vergleichen mit gesundheitlichen Einschränkungen.